Es klingt wie ein schlechter Witz: Wer ARD und ZDF in der bestmöglichen Auflösung schauen will, muss ausgerechnet auf Streaming-Dienste wie Zattoo oder waipu.tv ausweichen – nicht auf den klassischen Satellitenempfang. Denn über Sat senden die Öffentlich-Rechtlichen seit Jahren unverändert in 720p, während die Streaming-Anbieter längst Full HD liefern. Als Tech-Enthusiast, der beide Systeme täglich nutzt und bei jeder EM und WM vor dem Fernseher sitzt, erkläre ich dir dieses Paradox – mit allen technischen Hintergründen.
Inhalt
- Das Auflösungs-Paradox: 720p vs. Full HD
- Videokomprimierung: Die Technik hinter dem Bild
- Bitrate: Die nackte Wahrheit in Zahlen
- Chroma Subsampling: Das unsichtbare Detail
- Latenz: Der K.O.-Faktor bei Live-Sport
- Die drei großen Streaming-Anbieter im Detail
- Stabilität: Internet vs. Himmel
- Audio-Vergleich: Stereo, Dolby und Surround
- Kosten im Vergleich
- Mein persönliches Hybrid-Setup
- Für wen lohnt sich was?
- Die Zukunft: Schließt sich die Lücke?
- Fazit: Das Beste aus beiden Welten
Das Auflösungs-Paradox: 720p vs. Full HD
Hier kommt die erste Überraschung, die viele Sat-Fans nicht kennen: ARD und ZDF senden über Satellit nur in 720p – also mit einer Auflösung von 1280 × 720 Pixeln. Das entspricht gerade einmal 921.600 Bildpunkten. Technisch gesehen ist das HD, aber eben kein Full HD.
Bei Zattoo und waipu.tv hingegen empfängst du dieselben Sender in echtem Full HD mit 1920 × 1080 Pixeln – das sind 2.073.600 Bildpunkte. Der Unterschied? Über 125% mehr Bildinformation! Auf modernen Fernsehern ab 55 Zoll fällt dieser Unterschied deutlich ins Auge, besonders bei Kameraschwenks und feinen Details wie Grashalmen im Fußballstadion oder Gesichtszügen in Talkshows.
📡 Satellit (ARD/ZDF)
- Auflösung: 1280 × 720 Pixel (720p)
- 921.600 Bildpunkte gesamt
- Progressive Scan (keine Halbbilder)
- Seit 2010 unverändert
- Keine Full-HD-Pläne bekannt
📺 Streaming (ARD/ZDF)
- Auflösung: 1920 × 1080 Pixel (1080p)
- 2.073.600 Bildpunkte gesamt
- +125% mehr Details als Sat
- Bei Zattoo & waipu.tv verfügbar
- Auch in den Mediatheken
Aber Achtung: Bei den Privatsendern und vor allem bei UHD-Inhalten dreht sich das Bild komplett. Über Satellit empfängst du bereits mehrere UHD-Sender in nativer 4K-Auflösung (3840 × 2160 Pixel) – etwa UHD1 by HD+, RTL UHD oder Sky Sport UHD. Die Streaming-Dienste bieten zwar vereinzelt 4K-Inhalte, aber das lineare TV-Programm läuft meist maximal in Full HD.

Videokomprimierung: Die Technik hinter dem Bild
Um zu verstehen, warum die Qualitätsunterschiede entstehen, müssen wir einen Blick auf die Videokomprimierung werfen. Ohne Komprimierung wäre ein Full-HD-Videosignal etwa 1,5 Gbit/s groß – viel zu viel für jede Übertragung. Moderne Codecs reduzieren diese Datenmenge auf ein Bruchteil.
Die wichtigsten Video-Codecs im Vergleich
H.264 (AVC) ist der älteste noch relevante Codec, entwickelt 2003. Er wird weiterhin von vielen Sat-Sendern verwendet und bietet eine gute Balance aus Qualität und Kompatibilität. Die Kompressionseffizienz liegt bei etwa 50% im Vergleich zu unkomprimiertem Video.
H.265 (HEVC) kam 2013 und ist der Nachfolger. Er erreicht bei gleicher Qualität etwa 40-50% geringere Bitraten als H.264. Die meisten UHD-Sender über Satellit (DVB-S2X) nutzen HEVC. Auch Netflix, Amazon und Disney+ setzen auf diesen Codec für 4K-Inhalte. Der Nachteil: HEVC benötigt deutlich mehr Rechenleistung für die Dekodierung.
AV1 ist der neueste offene Codec (2018) und bietet nochmals 20-30% bessere Effizienz als HEVC – bei vergleichbarer Qualität. YouTube nutzt AV1 bereits flächendeckend, und auch Netflix rollt ihn schrittweise aus. Für Live-TV ist AV1 aufgrund der hohen Encoding-Komplexität bisher kaum verbreitet.
Wie funktioniert Videokomprimierung?
Alle modernen Codecs arbeiten nach ähnlichen Prinzipien:
1. Intra-Frame-Komprimierung (räumlich): Innerhalb eines einzelnen Bildes werden redundante Informationen entfernt. Große Flächen gleicher Farbe (z.B. blauer Himmel) werden nicht Pixel für Pixel gespeichert, sondern als mathematische Beschreibung. Dies geschieht durch die Diskrete Kosinustransformation (DCT), die das Bild in Frequenzkomponenten zerlegt.
2. Inter-Frame-Komprimierung (zeitlich): Hier liegt der größte Effizienzgewinn. Der Codec analysiert, was sich zwischen aufeinanderfolgenden Bildern verändert. Bei einem Nachrichtensprecher vor statischem Hintergrund muss nur die Mundbewegung übertragen werden – der Rest bleibt gleich. Dies geschieht durch Bewegungsvektoren, die beschreiben, wohin sich Bildblöcke bewegen.
3. Quantisierung: Der verlustbehaftete Schritt. Hier werden feine Farbunterschiede und hochfrequente Details reduziert, die das menschliche Auge ohnehin kaum wahrnimmt. Je höher die Quantisierung (QP-Wert), desto mehr Details gehen verloren – aber desto kleiner wird die Datei.
I-Frames, P-Frames und B-Frames erklärt
Moderne Videostreams bestehen aus verschiedenen Frame-Typen:
I-Frames (Intra-coded): Vollständige Einzelbilder ohne Referenz zu anderen Frames. Sie sind am größten, aber ermöglichen den Einstieg in den Stream an beliebiger Stelle. Bei Sat-Sendern erscheint etwa alle 1-2 Sekunden ein I-Frame.
P-Frames (Predicted): Enthalten nur die Unterschiede zum vorherigen I- oder P-Frame. Deutlich kleiner als I-Frames.
B-Frames (Bidirectional): Referenzieren sowohl vorherige als auch nachfolgende Frames. Sie sind am kleinsten, verursachen aber zusätzliche Latenz, weil der Decoder auf zukünftige Frames warten muss. Streaming-Dienste nutzen viele B-Frames für maximale Effizienz – ein Grund für die höhere Verzögerung.
Die GOP-Struktur (Group of Pictures) beschreibt das Muster dieser Frames. Eine typische Konfiguration bei Streaming ist „IBBPBBPBBPBB…“ mit einem I-Frame alle 2-4 Sekunden. Je länger die GOP, desto effizienter die Komprimierung – aber desto schwieriger wird das Vor- und Zurückspulen.

Bitrate: Die nackte Wahrheit in Zahlen
Die Auflösung ist nur die halbe Wahrheit. Mindestens genauso wichtig ist die Bitrate – also wie viele Daten pro Sekunde für das Videobild verwendet werden. Eine höhere Bitrate bedeutet mehr Spielraum für Details, weniger Kompressionsartefakte und schärfere Bewegungen.
Satellit: Konstant hohe Datenraten mit CBR
Über Satellit senden HD-Kanäle typischerweise mit 8–15 Mbit/s (H.264). Premium-Sender wie Sky Sport erreichen sogar 12–18 Mbit/s. Bei UHD-Übertragungen über DVB-S2X mit HEVC sprechen wir von 25–40 Mbit/s.
Das Entscheidende: Satellitensender nutzen meist CBR (Constant Bit Rate). Die Datenrate bleibt konstant, unabhängig vom Bildinhalt. Ob ruhige Talkshow oder schneller Fußball-Konter – die Bitrate schwankt nicht. Das führt zu konstanter Qualität, auch bei komplexen Szenen.
Streaming: Variable Bitrate mit Tücken
TV-Streaming-Dienste operieren mit VBR (Variable Bit Rate) und ABR (Adaptive Bit Rate). Waipu.tv und Zattoo streamen HD-Inhalte typischerweise mit 6–12 Mbit/s, wobei die tatsächliche Rate dynamisch angepasst wird.
Bei VBR analysiert der Encoder den Bildinhalt: Für statische Szenen (Nachrichtensprecher, Talkshow) reichen wenige Mbit/s. Bei Action-Sequenzen oder schnellen Kameraschwenks steigt die Bitrate automatisch. Das Problem: Der Algorithmus muss vorausschauend arbeiten. Bei plötzlichen Szenenwechseln oder unerwarteten schnellen Bewegungen kann er zu langsam reagieren – das Ergebnis sind kurzzeitige Kompressionsartefakte.
ABR geht noch einen Schritt weiter: Hier wird die Qualität in Echtzeit an deine Internetverbindung angepasst. Bei Netzwerkproblemen reduziert der Algorithmus automatisch die Auflösung – manchmal merkst du das erst, wenn das Bild plötzlich „matscht“ und sich dann erholt.
Kompressionsartefakte bei schnellen Bewegungen
Bei einem schnellen Konter im Fußballspiel zeigt sich der Unterschied am deutlichsten. Das Satellitenbild mit seiner konstanten hohen Bitrate stellt jeden Grashalm scharf dar. Das Streaming-Bild hingegen kann kurzzeitig Blockbildung (Macroblocking) zeigen – rechteckige Strukturen, die entstehen, wenn die Bitrate nicht ausreicht, um alle Bewegungsdetails darzustellen.
Weitere typische Artefakte bei zu niedriger Bitrate:
- Banding: Sichtbare Stufen in eigentlich fließenden Farbverläufen (oft bei Sonnenuntergängen oder Hauttönen)
- Mosquito Noise: Flimmernde Ränder um kontrastreiche Kanten
- Ringing: Halo-Effekte um scharfe Objektkanten
- Bewegungsunschärfe: Verschmierte Details bei schnellen Kamerabewegungen

Chroma Subsampling: Das unsichtbare Detail
Ein technisches Detail, das selbst viele Enthusiasten übersehen: Chroma Subsampling. Das menschliche Auge ist deutlich empfindlicher für Helligkeitsunterschiede als für Farbunterschiede. Diesen Umstand nutzen alle Videoformate aus.
4:4:4 bedeutet volle Farbauflösung – wird bei professioneller Produktion verwendet, aber nie bei der Übertragung.
4:2:2 halbiert die horizontale Farbauflösung – Standard bei professionellen Broadcast-Kameras.
4:2:0 halbiert die Farbauflösung sowohl horizontal als auch vertikal – Standard bei allen Sendern und Streaming-Diensten. Du erhältst also nur 25% der theoretischen Farbinformation. Bei den meisten Inhalten fällt das nicht auf, aber bei sehr farbintensiven Szenen (rote Trikots, Neonwerbung) können Farbsäume entstehen.
Latenz: Der K.O.-Faktor bei Live-Sport
Hier wird es für Sportfans richtig interessant – und potenziell frustrierend. Die Latenz beschreibt die Verzögerung zwischen dem tatsächlichen Ereignis und dem, was du auf deinem Bildschirm siehst.
📡 Satellit
- Latenz: 0,5–2 Sekunden
- Nahezu Echtzeit-Übertragung
- Signallaufzeit zum Satellit: ~120ms
- Keine Server-Abhängigkeit
- Konstant, unabhängig von Auslastung
📺 TV-Streaming
- Latenz: 15–60 Sekunden
- Encoding-Puffer erforderlich
- CDN-Verteilung kostet Zeit
- Adaptive Streaming braucht Puffer
- Bei Überlastung noch höher
Warum ist Streaming so viel langsamer?
Die Verzögerung beim Streaming entsteht an mehreren Stellen der Übertragungskette:
1. Encoding (3-10 Sekunden): Das Live-Signal muss in Echtzeit komprimiert werden. Für effiziente B-Frame-Nutzung muss der Encoder mehrere Frames „im Voraus“ kennen. Je mehr B-Frames, desto besser die Kompression – aber desto höher die Latenz.
2. Segmentierung (2-10 Sekunden): HTTP-basiertes Streaming (HLS, DASH) überträgt Video nicht kontinuierlich, sondern in kleinen Häppchen (Segmenten). Typische Segmentlängen sind 2-10 Sekunden. Bevor ein Segment übertragen werden kann, muss es vollständig encodiert sein.
3. CDN-Distribution (1-3 Sekunden): Die Segmente werden vom Origin-Server zu Content Delivery Networks kopiert, die geografisch verteilt sind. Das dauert.
4. Client-Puffer (5-30 Sekunden): Dein Streaming-Player lädt mehrere Segmente im Voraus, um bei Netzwerkschwankungen nicht zu stocken. Je größer der Puffer, desto stabiler das Bild – aber desto größer die Verzögerung.
Die Summe dieser Faktoren ergibt typischerweise 20-45 Sekunden Verzögerung bei den großen TV-Streaming-Anbietern. Während der EM 2024 hörte ich bei jedem deutschen Tor zuerst den Jubel der Nachbarn (die Sat schauten), bevor mein Streaming-Bild nachzog. Kein schönes Erlebnis.
Low-Latency-Protokolle: Die Zukunft?
Neue Technologien wie LL-HLS (Low-Latency HLS) und LL-DASH versprechen Verbesserungen. Statt kompletter Segmente werden kleinere „Chunks“ übertragen, noch während das Segment encodiert wird. Theoretisch sind damit Latenzen unter 5 Sekunden möglich. In der Praxis setzen die großen TV-Streaming-Anbieter diese Technologie aber bisher kaum ein – der technische Aufwand ist erheblich.
Die drei großen Streaming-Anbieter im Detail
waipu.tv: Sender-Champion mit Dolby 5.1
Waipu.tv bietet mit dem Perfect Plus Tarif die größte Senderauswahl – insgesamt 320 Kanäle, davon beeindruckende 300 in HD. Die App läuft stabil auf praktisch allen Plattformen, und die Bildqualität ist durchweg gut. Besonders praktisch: Die Aufnahmefunktion mit bis zu 100 Stunden Cloud-Speicher.
Dolby Digital 5.1 ist bei waipu.tv verfügbar – allerdings nicht bei allen Sendern. Unterstützt werden aktuell ARD, ZDF und die RTL-Gruppe (ohne RTL 2). ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und RTL 2 fehlen bisher. Wenn Dolby 5.1 verfügbar ist, wird dies über ein kleines Sprechblasen-Symbol auf den On-Screen-Bedienelementen angezeigt.
Zusätzliche Features: Waipu.tv bietet bei ausgewählten Sendungen auch Originalton und Untertitel an. Die Qualitätsoffensive nach Full HD umfasst also auch den Audio-Bereich. Mit dem waipu.tv Stick 4K kannst du sogar den altgedienten Videotext empfangen.
Zattoo: Der Latenz-Sieger unter den Streamern
Zattoo punktet mit der vergleichsweise geringsten Verzögerung unter den Streaming-Diensten – ein echter Vorteil bei Live-Sport. Dazu kommt Dolby Digital 5.1 Sound bei ausgewählten Sendern und echtes Full HD im Ultimate-Abo, was für Heimkino-Fans ein echtes Argument ist. Mit 240 Sendern (224 in HD) ist die Auswahl solide.
Schwächen: Bei der gleichzeitigen Nutzung gibt es Einschränkungen – RTL-Programme lassen sich beispielsweise nur auf maximal zwei Geräten parallel streamen. Insgesamt sind bis zu vier Streams möglich.
MagentaTV: Integration ohne Surround
MagentaTV von der Telekom bietet mit 180 Sendern (160 in HD) die kleinste Auswahl der drei, punktet aber mit der Integration von Streaming-Diensten wie Netflix oder Disney+ in einer Oberfläche. Für Telekom-Kunden gibt es oft attraktive Bundle-Angebote.
Wichtig zu wissen: Im Gegensatz zu waipu.tv und Zattoo bietet MagentaTV bei Live-TV kein Dolby Digital 5.1. Wer Surround-Sound haben möchte, muss auf Satellit oder die anderen Streaming-Anbieter ausweichen.

Stabilität: Internet vs. Himmel
Hier zeigt sich der fundamentale Unterschied beider Technologien am deutlichsten.
Satellit: Unabhängig und zuverlässig
Dein Satellitensignal interessiert sich nicht für deinen Internetanbieter. Es kommt direkt vom Himmel – mit konstanter Qualität. Selbst wenn dein Router abstürzt, Netflix down ist und halb Deutschland gleichzeitig streamt: Dein Sat-Receiver zeigt weiterhin ein perfektes Bild.
Der einzige Feind des Satelliten ist starker Regen oder Schnee (sogenannter „Rain Fade“). Bei extremen Unwettern kann das Ku-Band-Signal (10,7-12,75 GHz) kurzzeitig gestört werden, weil Regentropfen die Funkwellen absorbieren und streuen. In der Praxis passiert das aber selten und dauert meist nur wenige Minuten.
Streaming: Abhängig von der gesamten Kette
TV-Streaming braucht eine stabile Internetverbindung – und zwar nicht nur zu deinem Router, sondern die gesamte Kette bis zum Server des Anbieters. Probleme können auftreten bei:
- WLAN-Schwankungen – besonders in Mehrfamilienhäusern mit vielen überlappenden Netzen
- Provider-Drosselung – manche Anbieter bremsen in Stoßzeiten (Stichwort: Netzwerkneutralität)
- Server-Überlastung – bei Großereignissen wie WM-Finals können CDNs an ihre Grenzen kommen
- Routing-Probleme – Backbone-Störungen außerhalb deiner Kontrolle
- Peering-Konflikte – zwischen deinem Provider und dem Streaming-Dienst
Mein Tipp: Für stabiles TV-Streaming solltest du deinen Fernseher oder Streaming-Stick per LAN-Kabel anschließen, nicht per WLAN. Das eliminiert zumindest die häufigste Fehlerquelle. Und: Aktiviere QoS (Quality of Service) in deinem Router, um dem Streaming-Traffic Priorität zu geben.
Audio-Vergleich: Stereo, Dolby und Surround
Nicht nur das Bild macht den Unterschied – auch beim Ton gibt es erhebliche Unterschiede:
📡 Satellit Audio
- Standard: Dolby Digital 5.1 bei vielen Sendern
- Zwei Tonspuren: PCM (Stereo) + DD (5.1/2.0)
- 384 kbit/s bei Dolby Digital
- Konstante Audio-Qualität
- Keine Abhängigkeit von Bandbreite
📺 Streaming Audio
- waipu.tv: DD 5.1 bei ARD, ZDF, RTL (ohne RTL2)
- Zattoo: DD 5.1 bei ausgewählten Sendern
- MagentaTV: Kein DD 5.1 bei Live-TV
- AAC Stereo als Standard-Fallback
- Qualität abhängig von Bandbreite
Kosten im Vergleich
Bei den Kosten gibt es keine eindeutigen Gewinner – es kommt auf deine Situation an.
📡 Satellit
- Einmalig: 50–300 € (Schüssel + Receiver)
- HD+ Abo: 6,99 €/Monat für Private in HD
- Öffentlich-Rechtliche: kostenlos (aber nur 720p)
- Installation: ggf. 100-200 € Handwerkerkosten
- Langfristig: Günstig nach Amortisation
📺 TV-Streaming
- Einmalig: 0–50 € (Stick optional)
- waipu.tv Perfect Plus: 14,99 €/Monat
- waipu.tv Comfort: 7,49 €/Monat (weniger HD)
- Zattoo Ultimate: ab 13,99 €/Monat
- MagentaTV Flex: ab 10 €/Monat
Langfristig kann Satellit günstiger sein, wenn du nur die Grundversorgung brauchst. Die Streaming-Dienste punkten mit flexiblen Kündigungsfristen (monatlich kündbar) und keinen Installationskosten – ideal für Mieter oder alle, die keine Schüssel montieren können oder wollen.
Mein persönliches Hybrid-Setup
Nach Jahren des Testens und Optimierens habe ich für mich die optimale Lösung gefunden – ein Hybrid-Setup, das die Stärken beider Welten kombiniert:
🏆 So nutze ich beide Systeme
- Live-Sport (Fußball-EM/WM, Formel 1): Immer Satellit – wegen der minimalen Latenz (unter 2 Sekunden)
- ARD/ZDF Dokus & Filme: Streaming über Zattoo – für die bessere Full-HD-Auflösung (1080p statt 720p)
- Breaking News: Satellit – jede Sekunde zählt bei aktuellen Ereignissen
- Tägliches Fernsehen: Streaming – flexibler, Restart-Funktion, Aufnahmen in der Cloud
- UHD-Inhalte: Satellit – hier gibt es aktuell keine echte Streaming-Alternative für Live-TV
- Heimkino mit Surround: Satellit oder waipu.tv/Zattoo – für Dolby 5.1 (nicht MagentaTV)
Mein Hauptfernseher hat einen integrierten Twin-Sat-Tuner und ist zusätzlich per Gigabit-LAN mit dem Router verbunden. Die Zattoo-App läuft auf dem eingebauten Smart-TV-System. So kann ich mit einem Knopfdruck zwischen beiden Welten wechseln – je nachdem, was ich gerade priorisiere: minimale Latenz oder maximale Auflösung bei ARD/ZDF.
Für wen lohnt sich was?
📡 Satellit ist ideal für:
- Live-Sport-Enthusiasten (minimale Latenz!)
- UHD/4K-Liebhaber
- Ländliche Gebiete ohne stabiles Internet
- Haushalte, die unabhängig vom Internet sein wollen
- Eigenheimbesitzer mit Montagemöglichkeit
- Heimkino-Fans (konstantes Dolby 5.1)
📺 Streaming ist ideal für:
- Mieter ohne Sat-Schüssel-Option
- Nutzer, die ARD/ZDF in Full HD wollen
- Flexible TV-Nutzung auf mehreren Geräten
- Fans von Restart- und Aufnahmefunktionen
- Reisende (EU-weite Nutzung möglich)
- Technik-Minimalisten ohne Installationsaufwand
Die Zukunft: Schließt sich die Lücke?
Die Streaming-Technologie entwickelt sich rasant. Low-Latency-Protokolle wie LL-HLS versprechen Verzögerungen unter 5 Sekunden – einige Anbieter experimentieren bereits damit. Mit dem weiteren Glasfaser-Ausbau könnten die Streaming-Dienste theoretisch auch höhere Bitraten anbieten.
Auf der anderen Seite bleibt unklar, ob ARD und ZDF ihre Sat-Ausstrahlung jemals auf Full HD oder gar UHD upgraden werden. Die technischen Möglichkeiten wären da (die Mediatheken zeigen es), aber der politische und finanzielle Wille scheint zu fehlen. Für Fans der Öffentlich-Rechtlichen bleibt Streaming damit der einzige Weg zu höherer Auflösung – ein echtes Paradox.
Die Satellitenbetreiber investieren derweil in neue Technologien. DVB-S2X ermöglicht noch effizientere HEVC-Übertragungen, und das UHD-Angebot über Satellit wächst kontinuierlich. Für absolute Bildqualität bei Sportübertragungen führt hier mittelfristig kein Weg vorbei.

Fazit: Das Beste aus beiden Welten
Nach diesem ausführlichen technischen Vergleich wird das Sat-Paradox deutlich: Es gibt keinen eindeutigen Sieger – beide Technologien haben ihre Stärken und Schwächen.
Für ARD und ZDF in bestmöglicher Auflösung sind paradoxerweise die Streaming-Dienste waipu.tv und Zattoo die bessere Wahl. Full HD (1080p) statt 720p – das ist ein sichtbarer Unterschied auf modernen Fernsehern.
Für zeitkritische Live-Inhalte – insbesondere Sport – führt 2026 aber kein Weg am Satellitenfernsehen vorbei. Die minimale Latenz von unter 2 Sekunden gegenüber 20-45 Sekunden beim Streaming macht bei Toren, Überholmanövern und Breaking News den entscheidenden Unterschied.
Für Audio-Enthusiasten ist wichtig zu wissen: Dolby 5.1 gibt es bei waipu.tv (ARD, ZDF, RTL-Gruppe) und Zattoo, aber nicht bei MagentaTV im Live-TV.
Meine Empfehlung: Wer es sich leisten kann, fährt mit einem Hybrid-Setup am besten. Satellit für Live-Sport, UHD und konstante Qualität – Streaming für den Alltag und die öffentlich-rechtlichen Sender in Full HD. So nutzt du das Paradox zu deinem Vorteil und holst dir das Beste aus beiden Welten ins Wohnzimmer.

